Permakultur in semiariden Zonen
Semiaride Regionen sind geprägt von markanten Trockenperioden während sechs bis neun Monaten im Jahr. Durch den Klimawandel drohen Wüstenbildung und der Weinbau wird zur Herausforderung. Diese lässt sich mit Hilfe der Permakultur meistern.
Text
Emil Hauser
Weinakademiker 12.04.2026
Das Alentejo im Süden Portugals gehört zu den semiariden Regionen Europas. Durch den Klimawandel akzentuierte Trockenperioden und Temperaturen bis zu 50 Grad im Sommer stellen den Weinbau vor grosse Herausforderungen. Auf dem Weingut Vale de Camelos wird diesen mit Massnahmen der in den 1970er Jahren in Australien entwickelten Permakultur begegnet.
Permakultur ist ein Gestaltungskonzept, das darauf abzielt, funktionierende Naturkreisläufe wieder herzustellen. So hält sie etwa Massnahmen bereit, die eine nachhaltige Nutzung spärlicher Wasserreserven erlauben. Es geht darum, Niederschlag- und Bachwasser auf dem eigenen Gelände so effizient und langfristig wie möglich wirken zu lassen und den oberirdischen Abfluss und die Erosion auf ein Minimum zu beschränken.
Nachhaltiger Weinbau mit Erfolg
In semiariden Regionen sind weitere Massnahmen erforderlich, um mit Erfolg nachhaltigen Weinbau betreiben zu können. Hecken und Bäume sind hier rar. Heisse, trockene Winde können deshalb ungehindert übers Land ziehen und den hochgezogenen Rebstöcken Feuchtigkeit entziehen, die dann für das eigene Wachstum oder die Traubenreife fehlt.
Dieses Problem lässt sich mit dem Anlegen von Hecken aus lokalen, wind- und trockenresistenten Sträuchern rund um die Weinberge lindern. An besonders heissen Sommernachmittagen droht Weintrauben Sonnenbrand. Betroffene Trauben sondern die Mitarbeiter bereits im Weingarten aus. Durch die zunehmend dünnere Ozonschicht wird dieser Effekt noch verstärkt. Das Beschatten der Trauben durch dichtes Blattwerk auf der Westseite (Abendsonne) und Traubenbehang auf der kühleren Ostseite (Morgensonne) sind bekannte Methoden, um versengte Trauben vorzubeugen. Zusätzlich für Beschattung können einheimische Bäume sorgen, die vereinzelt im Weinberg stehen.
Ein weiteres zentrales Element ist ein lebendiger, lockerer und humoser Boden, der im Stande ist, Feuchtigkeit aufzunehmen und so zu speichern, dass diese nach und nach an die Reben abgegeben werden kann. Eine sanfte Bodenbewirtschaftung, die Verdichtung vermeidet, ist in einer semiariden Region deshalb zwingend.
Kurz und bündig
In semiariden Regionen, also Halbwüsten mit langen Hitze- und Trockenperioden, ist nachhaltiger Weinbau eine grosse Herausforderung.
Die Permakultur bietet hier naturnahe und vielversprechende Lösungen an. Das Weingut Vale de Camelos praktiziert Permakultur in einem besonders trockenen Gebiet bereits höchsterfolgreich. [/box]
Über die Autorin
Emil Hauser, Weinakademiker
Für mich hat Wein archaische, urprüngliche Wesenszüge, welche sich nicht eindeutig in Worte fassen lassen. Mich der Materie Schritt um Schritt zu nähern, wird mich noch über viele Jahre in Atem halten.