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Die Delinat-Richtlinien

Das anspruchsvollste Bio-Label Europas

Delinat: Die strengsten Bio-Richtlinien Europas

Die Delinat-Richtlinien bilden seit 1983 das Fundament unseres Weinbaus. Sie sind das verbindliche Regelwerk für alle Winzerinnen und Winzer, die nach der Delinat-Methode arbeiten. Sie legen verbindlich fest, wie die Trauben für Delinat-Weine konsequent ökologisch und zugleich auf höchstem Qualitätsniveau angebaut und vinifiziert werden. Im Fokus steht ein ganzheitlich ökologischer Weinbau, der Böden, Wasser, Tiere und Pflanzen schützt, die Biodiversität fördert und die Natur in ihrer Kraft langfristig stärkt.

Richtlinien im Vergleich

Bereich Delinat-Bio Demeter International EU-Bio Konventionell/IP
Bewirtschaftungsweise Ganzer Betrieb muss bio sein. Biologische/Ökologische Bewirtschaftung aller Betriebszweige Ganzer Betrieb muss biodynamisch bewirtschaftet werden Einzelne Betriebszweige dürfen auch konventionell bewirtschaftet werden Keine Vorschriften
Biodiversität, ökologische Ausgleichsflächen, Förderung von Kleinstrukturen Ökologische Ausgleichsfläche: mindestens 12% der Rebfläche, davon 7% innerhalb oder direkt angrenzend zur Rebfläche. Weitere 5% müssen innerhalb von 1000m Distanz zu betriebseigenen Rebparzellen liegen. Zusätzlich verlangt: Obstbäume, Wildsträucher und mindestens 5% Blühflächen innerhalb der Weinberge Mindestens 10 % Biodiversitätsfläche vorgeschrieben (z. B. Hecken, Blühflächen, Gewässer, extensive Wiesen), strukturelle Biodiversitätsmassnahmen verlangt, aber nicht quantifiziert Keine Vorschriften EU/CH Konventionell: Keine Vorschriften
IP CH: 3,5% Ökologische Ausgleichsfläche, muss nicht an die Rebflächen angrenzen
Bäume und Sträucher Mindestanzahl Bäume und Sträucher verlangt Förderung von Landschaftselementen vorgeschrieben, jedoch keine konkret festgelegte Mindestanzahl wie bei Delinat Keine Vorschriften Keine Vorschriften
Begrünung Weinberg Verlangt Verlangt Nicht verlangt EU: nicht verlangt
IP CH: teilweise verlangt
Bodenbearbeitung Richtlinien für eine besonders schonende Bodenbearbeitung. Die Bodenbearbeitung in einer Tiefe von mehr als 10 cm ist untersagt. schonende Bodenbearbeitung verlangt, keine weitergehenden Vorschriften Keine Vorschriften Keine Vorschriften
PIWI-Sorten Betriebe, die beim Kupfer- und Schwefeleinsatz nicht mindestens Stufe 2 erreichen, sind verpflichtet, den Anteil an resistenten Rebsorten (PIWI) zu erhöhen. Keine Vorschriften Keine Vorschriften Keine Vorschriften
Bewässerung Strenge Auflagen Standortangepasste Bewirtschaftung gefordert, keine weitergehenden Vorschriften Keine Vorschriften Keine Vorschriften
Chemische Pflanzenschutzmittel Verboten Verboten Verboten Erlaubt
Kupferanwendung Stufe 1: Maximal 3.0 kg/ha/Jahr
Stufe 2: Maximal 2.5 kg/ha/Jahr
Stufe 3: Maximal 2.0 kg/ha/Jahr
Max. 3 kg/ha/Jahr
Höhere Mehrjahres-Limiten für Weinbau
4kg/ha/Jahr 4kg/ha/Jahr
Kunstdünger Verboten Verboten Verboten Erlaubt
Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) Verboten Verboten Verboten Teilweise verboten
Vinifikation: Verarbeitung Technische Verfahren wie Vakuumverdampfer, Umkehrosmose und Kryoextraktion sind verboten Einzelne technische Verfahren verboten Einzelne technische Verfahren verboten Keine Vorschriften
Vinifikation: tierische Hilfsstoffe Die Delinat-Richtlinien schliessen ab Jahrgang 2017 alle von Tieren stammenden Verarbeitungshilfsstoffe in der Weinbereitung aus und verbieten Düngemittel, die Schlachtabfälle enthalten. Damit entsprechen ab Jahrgang 2017 alle Delinat-Weine den Vorgaben der internationalen Vegan-Definition und können ausnahmslos als vegan deklariert werden. Verschiedene tierische Präparate als Schönungsmittel zugelassen Keine Vorschriften Keine Vorschriften
Vinifikation: andere Verarbeitungshilfsstoffe Strenge Auflagen bezüglich Schwefel, Schönungsmittel und Filtrationshilfen Weniger strenge Vorgaben Auflagen deutlich weniger streng als bei Delinat Keine Vorschriften, bzw. im Rahmen der in den Produktionsländern geltenden Höchstwerte
Anreiz zur Weiterentwicklung der Winzer Richtlinien basieren auf Stufenmodell mit drei Qualitätsstufen (gekennzeichnet mit 1 bis 3 Schnecken) Keine Keine Keine
Erneuerbare Energien Je nach Delinat-Stufe gelten verbindliche Grenzwerte für den Netto-Energieverbrauch pro Hektar produktiver Rebfläche bis hin zu 0 kWh/ha bei Stufe 3.

0 kWh pro Hektar oder darunter bedeutet, dass der Betrieb insgesamt mindestens so viel erneuerbare Energie erzeugt, wie er verbraucht – oder mehr. Bis dieses Ziel erreicht ist, setzt jeder Betrieb mindestens drei Massnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz um. Dazu gehören beispielsweise energieeffiziente Kühlung, Wärmerückgewinnung, Isolation, Solarthermie oder Stromgewinnung durch Sonne und Wind.
Keine Vorschriften Keine Vorschriften Keine Vorschriften
Soziale Anforderungen Mindestanforderungen bezüglich Arbeitsverträge, Sicherheit und Rechte Mindestanforderungen vorhanden, keine weitergehenden Vorschriften Keine Vorschriften Keine Vorschriften

Mission Biodiversität

Im Zentrum der Delinat-Richtlinien steht die Biodiversität: Der Weinberg wird als lebendiges Ökosystem verstanden, dessen Stabilität aus Vielfalt entsteht. Reben wachsen nicht in Monokultur, sondern eingebettet in eine Landschaft mit Wildpflanzen, Hecken, Bäumen, Nützlingen und Sekundärkulturen. Diese Vielfalt macht den Weinbau widerstandsfähiger, die Trauben reichhltiger und die Weine darurch charaktervoller.

Warum es die Delinat-Richtlinien gibt

Als Delinat 1980 gegründet wurde, war der Weinbau in Europa von Monokulturen, Herbiziden und synthetischen Pflanzenschutzmitteln geprägt. Rebberge waren oft ökologisch verarmt. Delinat schlug einen grundsätzlich anderen Weg ein. Die Vision von Delinat-Gründer Karl Schefer: «Schmetterlinge sollten wieder durch die Reben fliegen.» Aus dieser Vision entstanden 1983 die allerersten Bio-Richtlinien für den Weinanbau und die Weinbereitung, lange bevor es in der EU überhaupt eine gesetzliche Regelung für Biowein gab. Ziel war von Anfang an, den Weinbau als Ganzes neu zu denken.

Biowein. Nur besser.

Erst seit 2012 gibt es in der EU rechtsverbindliche Vorgaben für «Biowein». Die Delinat-Richtlinien existierten da bereits seit fast 30 Jahren und wurden in dieser Zeit kontinuierlich weiterentwickelt. Sie gehen deutlich über die EU-Bio-Verordnung hinaus und sind in vielen Punkten auch strenger als andere bekannte Bio-Labels wie Bio Suisse oder Demeter (siehe unten).

Aufgabe und Aufbau der Richtlinien

Die Delinat-Richtlinien übersetzen die Delinat-Methode, unsere Philosophie des qualitätsorientierten, biodiversen Weinbaus, in konkrete, überprüfbare Standards. Sie sind praxisnah formuliert und gleichzeitig wissenschaftlich fundiert.

Sie basieren auf einem Stufenmodell mit strenger werdenden Anforderungen bei einer, zwei oder drei Schnecken. Schon die erste Stufe liegt über den gesetzlichen Bio-Anforderungen. Mit jeder Stufe steigen die Anforderungen an Biodiversität, Arbeitsweise im Weinberg und erneuerbaren Energieeinsatz.

Unabhängige Kontrolle

Die Einhaltung der Delinat-Richtlinien wird mehrfach überprüft:

  • Durch Delinat-Winzerberater, die die Betriebe fachlich begleiten
  • Durch unabhängige externe Kontrollstellen wie bio.inspecta
  • Durch Laboranalysen des Weins auf Rückstände, Allergene und Pestizide

Erst wenn alle Kontrollen bestanden sind, darf ein Wein das Delinat-Bio-Garantie-Label mit der Schnecke tragen.

Ausgezeichnet bewertet

Dass die Delinat-Bio-Garantie besonders streng ist, sagen nicht nur wir. Auch unabhängige Fachstellen kommen zu diesem Schluss: Die Vergleichsplattform Labelinfo.ch hat die Delinat-Bio-Garantie in Zusammenarbeit mit dem WWF Schweiz geprüft und mit der höchsten Bewertung sowie dem Prädikat «Ausgezeichnet» versehen. Ein externer Blick, der bestätigt, was unsere Richtlinien seit Jahrzehnten leisten.

Ein Blick in die Richtlinien

Über 110 Seiten voller Engagement für nachhaltigen Weinbau: Hier finden Sie die Delinat-Richtlinien in vollem Umfang:

Die wichtigsten Punkte auf einem Blick:

Vielfalt statt Einfalt

  • Hecken, Blühstreifen und Steininseln verwandeln Rebberge in Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleintiere.
  • Ein vielfältiges Ökosystem stabilisiert das Klima im Weinberg und macht die Rebenwiderstandsfähiger gegen Krankheiten.
  • Unsere Winzer setzen auf Bäume im Weinberg: Agroforstsysteme stärken die Resilienz gegen den Klimawandel, verbessern den Boden und das Mikroklima sowie das ökologische Gleichgewicht. Es sind Standards wie eine Mindestanzahl Bäume pro Hektar Weinberg sowie minimale Distanzen zu den Reben einzuhalten.

Säen statt Düngen

  • Eine ganzjährige, artenreiche Begrünung sorgt für natürliche Nährstoffe und schützt den Boden vor Erosion.​
  • Kunstdünger sind verboten. Stattdessen arbeiten die Delinat-Winzer mit gezielten Pflanzenmischungen und Kompost.

Stärken statt Schwächen

  • Synthetische Pestizide sind tabu. Stattdessen setzen die Delinat-Winzer auf robuste Rebsorten (PIWIs), Nützlinge und natürliche Pflanzenstärkung.
  • Der Kupfer- und Schwefeleinsatz ist streng limitiert, mit dem Ziel, die Mengen kontinuierlich zu senken, sofern es die klimatischen Bedingungen zulassen.

Aufbauen statt Ausbeuten

  • Delinat-Winzer fördern einen fruchtbaren Boden voller Mikroorganismen und Tiere, sowie den Humusaufbau, durch eine schonende Bodenbearbeitung und eine vielfältige Begrünung.
  • Statt den Boden intensiv zu bearbeiten, wird er nur flach gelockert, um Verdichtung und Austrocknung zu vermeiden.

Schonen statt Schönfärben

  • Im Keller sind nur schonende Verfahren erlaubt. So bleibt die natürliche Aromenvielfalt und das Terroir der Delinat-Weine unverfälscht erhalten.
  • Tierische Hilfsstoffe sind verboten, daher sind alle Delinat-Weine vegan.

Erneuern statt Verbrauchen

  • Langfristig sollen alle Delinat-Weingüter ihren Energiebedarf aus nachhaltigen Quellen decken. Je nach Delinat-Stufe gelten Höchstwerte für Energie aus nicht-erneuerbaren Energiequellen. Ab Stufe 3 ist die vollständige Nutzung regenerativer Energien Pflicht.
  • Die Delinat-Winzerinnen und -Winzer verzichten im Weinberg auf den Einsatz von Plastik und setzen stattdessen auf Naturstoffe.
  • Durch Humusaufbau, Dauerbegrünung, Agroforstsysteme, Mischkulturen und gezielte Wasserretentionsmassnahmen werden Treibhausgase reduziert und Boden sowie Wasser langfristig geschützt.

Miteinander statt Gleichgültigkeit

  • In unseren Richtlinien gelten verbindliche Sozialstandards für Arbeitsverträge, Sicherheit und Rechte für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Delinat-Weingüter.
  • Alle Mitarbeitenden werden in ihren menschlichen Grundrechten respektiert und entsprechend ihrer Fähigkeiten und Bedürfnisse eingesetzt, gefördert und motiviert.