Vielfalt als Nährboden lebendiger Weinberge
Mischkultur ist im Weinbau mehr als ein paar Bäume oder ein paar Kräuter zwischen den Reben. Sie ist ein Gegenentwurf zur Monokultur – und damit ein zentrales Element lebendiger, widerstandsfähiger Weinberge.
Text
Nina Wessely
Redaktorin 22.04.2026
«Was wir oberhalb des Bodens sehen, beeinflusst direkt das, was im Boden passiert. Nämlich Durchwurzelung, Bodenleben und Fruchtbarkeit», schwärmt Delinat-Winzerberater Daniel Wyss. «Auch Begrünung und Tierhaltung gehören dazu. Mischkultur hört nicht bei der Rebe auf.»
Biodiversität ist seit jeher zentraler Bestandteil der Delinat-Methode. Dazu zählt auch das gezielte Fördern von Sekundärkulturen.
Diese Sekundärkulturen wie Obst, Gemüse oder Kräuter rücken ebenso wie Bäume und Sträucher in den Fokus, erklärt der Winzerberater weiter. Dies geschieht nicht primär wegen ihres Ertrags, sondern wegen des Beitrags zum Ganzen. «Ein Baum wird oft nicht für die Ernte gepflanzt, sondern für Struktur, Bodenleben und Zukunft. Und natürlich für Schatten», erklärt Daniel Wyss.
In mediterranen Regionen wachsen Lavendel, Thymian oder Rosmarin in und um die Weinberge, ohne als Kulturpflanzen genutzt zu werden. «Manche Winzer sagen, man könne diese Kräuter im Wein schmecken», erzählt Daniel Wyss. «Und an Standorten, an denen Kräuter vermehrt vorkommen, glaube ich das sofort. Die ganze Landschaft ist direkt duftschwanger», lächelt der Weinfreund.
Besonders konsequent wird Mischkultur dort, wo sie mit Agroforst kombiniert wird – davon ist Winzerberater Daniel Wyss überzeugt. Reben und Bäume wachsen gemeinsam, Rebzeilen werden aufgelöst, neue Strukturen entstehen. Haselnüsse, Mandeln, Oliven oder Getreide werden Teil des Weinbergs, zum Teil mit, zum Teil ohne kommerziellen Nutzen. Gerade mit Blick auf Klimawandel, Wasserhaushalt und Bodenschutz sei ein gesunder Weinberg ohne Mischkultur und Agroforst in Zukunft kaum mehr möglich, gibt der Experte zu bedenken.
Bei Delinat geht jeder Betrieb den Weg zur Mischkultur auf seine Weise, angepasst an Standort, Klima und Tradition. Oder, wie Dani Wyss es zusammenfasst: «Mischkultur ist eine wunderbare Art und Weise, Biodiversität zu fördern, und diese ist zentraler Bestandteil der Delinat-Methode.»
Wie Delinat Weinbau und Natur verbindet
Sekundärkultur (Fokus weitere erntefähige Kulturen innerhalb der Reben): Zwischen den Rebzeilen oder einfach innerhalb der Rebparzelle werden bewusst weitere Kulturen angebaut, wie Gemüse, Beeren, Obst, Kräuter, Blumen. Sie sind erntefähige Kulturen und ergänzen die Rebenproduktion. Gleichzeitig fördern sie durch ihre Vielfalt die Bodengesundheit, verbessern die Bodenstruktur, bieten Lebensraum und Nahrung für Insekten und erhöhen die biologische Vielfalt im Weinberg.
Mischkultur (Fokus: funktionale Pflanzenvielfalt mit und ohne Ertrag): Bei einer Mischkultur wachsen verschiedene Pflanzenarten gleichzeitig auf derselben Fläche neben den Reben, anstatt dass die Reben in reiner Monokultur stehen. Die Pflanzen erfüllen unterschiedliche ökologische Funktionen und ergänzen sich gegenseitig: Sie schützen den Boden vor Erosion, verbessern die Wasserinfiltration, sind Nützlingshabitat, können auch zusätzlichen Ertrag abwerfen, halten Schädlinge fern, unterstützen den Aufbau eines lebendigen fruchtbaren Bodens. Dadurch kann der Bedarf an externen Hilfsmitteln reduziert werden.
Agroforst: Bäume und Sträucher werden gezielt in den Weinberg integriert und schaffen so ein vielfältiges, strukturreiches und stabileres Agrarökosystem. Sie spenden Schatten, verbessern das Mikroklima, verbessern die Wasserspeicherung im Boden, binden CO2 und bieten Vögeln sowie Nützlingen wertvollen Lebensraum. Je nach Art können sie zusätzlich Erträge liefern (Früchte, Nüsse). Gleichzeitig verbessern sie die Wasserinfiltration, erhöhen die Biodiversität und verringern den Bedarf an externen Hilfsmitteln.
Über die Autorin
Nina Wessely, Redaktorin
Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.