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Massimo Maggios maximale Mischkultur

Wer in Massimo Maggios Gästehaus über den Rand des Infinity-Pools blickt, hat alles andere als ein Rebenmeer vor der Nase. Denn die Weingärten sind gesprenkelt von regelrechten Biodiversitäts-Metropolen aus Rosmarin und wilden Kräutern sowie Obst- und Johannisbrotbäumen. Das sieht nicht nur schön aus, sondern ergibt auch Weine erster Klasse, weiss der Delinat-Winzer Massimo Maggio.

Text

Nina Wessely
Redaktorin
28.05.2026

Verwobene Harmonie: In den Gärten von Massimo Maggio auf Sizilien gedeihen Wein und Orangen in stiller und vor allem köstlicher Eintracht.

Statt streng gezogener Rebzeilen öffnet sich hier im Süden Italiens ein vielschichtiger Garten. Hier gedeihen Orangenbäume nebst 50 Jahre alten Rebstöcken, Feigen und Granatäpfel reifen zwischen den Reben, Vögel und Insekten beleben die Landschaft. All das ist für Delinat-Winzer Massimo Maggio kein ästhetisches Statement, sondern eine Notwendigkeit.

«Alle Kulturen sollten vielfältig sein», sagt er. «Wenn man nur Reben anbaut und nichts anderes, wird der Weinberg zu einer Art Wüste. Insekten, Tiere und Pflanzen verschwinden, und wir brauchen sie alle, um auch guten Wein zu machen», erklärt er.

«Monokultur macht aus dem Weinberg eine Wüste.»Massimo Maggio

Die Natur, davon ist Massimo überzeugt, strebt nicht nach Monokultur. Doch Weinbau braucht Licht, Ordnung und Zugänglichkeit. Also sucht er den Kompromiss und hat ihn in der Mischkultur gefunden. «Am Ende entsteht ein Garten, in dem sich auch der Mensch wohlfühlt», sagt er. Genau dieses Bild prägen seine Weingärten in Vittoria: ein funktionierendes Ökosystem, das Erträge liefert und trotzdem den Kreislauf der Natur weitgehend unangetastet lässt.

Dass dieser Ansatz aus der Delinat-Philosophie gerade in Sizilien so wunderbar funktioniert, überrascht Massimo nicht. Das Klima ist seit Jahrhunderten auf Weinbau eingestellt, Hitze und Trockenheit gehören dazu. «Das war schon immer so», erklärt er. «Unsere Grosseltern haben uns gezeigt, wie man im Einklang mit der Natur arbeitet.» Mischkultur ist hier keine Neuerfindung, sondern die Weiterführung eines überlieferten Wissens, heutzutage ergänzt durch wissenschaftliche Erkenntnisse und moderne Technik.

Von Orangen und Reben

Eine besondere Rolle auf Massimos Weingut spielen die Zitrusbäume. Während der Blüte hängt ihr intensiver Duft in den Weinbergen. Für Massimo ist das mehr als Poesie: «Ich stelle mir gern vor, dass sich dieser Duft auf die Reben legt, von den Trauben aufgenommen wird und später in den Weissweinen wieder auftaucht.» Ein Aroma, das auch schon andere Weinfreunde in Massimos Weinen erschnuppert haben. Sogar ohne zu wissen, dass tatsächlich Zitrusbäume die Reben säumen.

Wobei natürlich auch in einem höchstbewerteten Drei-Schnecken-Betrieb von Delinat Ausprobieren und Beobachten der Natur auf der Tagesordnung steht. Nicht alles hat sich bewährt. Moderne Obstsorten etwa scheiterten häufig an Trockenheit und biologischer Bewirtschaftung, erzählt der Winzer. Die Konsequenz war ein bewusster Schritt zurück. «Wir haben uns für alte Sorten entschieden, bei denen die jahrtausendelange Selektion die Widerstandskraft gefördert hat», sagt der Delinat-Winzer. Weniger Ertrag, dafür gesunde Pflanzen. Das ist ein Prinzip, das Massimo auch im Weinbau anwendet.

Leben auf allen Ebenen: Maggios Weinberge sind Hotspots für Tier und Pflanze.

Umstellung auf Mischkultur

Die Umstellung vor vielen Jahren auf konsequente Mischkultur hat vor allem den Boden verändert. Er ist lebendiger, strukturreicher, fruchtbarer. Biodiversität regeneriert, stabilisiert und macht widerstandsfähig. Gleichzeitig profitiert die Tierwelt und davon wieder der Wein. Wildkaninchen, Eidechsen, Schlangen, Kröten, Füchse und Igel finden hier ebenso Lebensraum wie zahlreiche Vogelarten und unzählige nützliche Insekten. Sogar einige Bienenstöcke stehen zwischen den Orangenbäumen. Der Honig daraus ist selbstredend ein Hochgenuss, allerdings leider nur für den privaten Verbrauch innerhalb der Familie bestimmt. «Die Biodiversität in unserem Landstrich gibt ihnen Nahrung, Schutz und Orte zur Fortpflanzung», ist Massimo überzeugt.

Schulterschluss mit der Delinat-Methode

Massimo Maggios Weltanschauung und die Delinat-Methode gehen seit Jahrzehnten harmonisch einher. Denn auch Delinat setzt auf Vielfalt als zentrales Element gesunder Weinberge. Bäume, Hecken, Mischkulturen und Lebensräume für Tiere sind keine Zugabe, sondern Grundlage natürlicher Regulation. Krankheiten und Schädlinge werden nicht bekämpft, sondern die Rebe durch die Vielfalt derart gestärkt, dass sie gleich gar nicht anfällig wird. Ein Prinzip, das nicht den leichten Weg zu Ertrag aufzeigt, dafür aber den gesünderen. «Die Vielfalt zwingt die Pflanzen, stärker zu werden», sagt Massimo. «Sie entwickeln mehr Widerstandskraft – auch gegen Krankheiten.»

Hitze und Trockenheit begegnet er mit angepassten Rebsorten, trockenheitsresistenten Unterlagen und minimaler Bodenbearbeitung. Während der grosse Italiener so durch die Reben streift, jede Sorte im Versuchsgarten mit einem kurzen Blick identifiziert und in der Art, wie er erzählt, woher er welches Wissen erlangt hat – teils von seinem Vater, teils aber auch durch den Blick über den Tellerrand –, wird sofort klar: Hier ist ein Vollblutwinzer am Werk. Massimo ohne Weingärten – das ist ein surreales Bild.

Delinat-Winzer Massimo Maggio begeistert mit altem Wissen und einer spür- und schmeckbaren Liebe für sein Schaffen.

In den vergangenen Jahren verschärft der Klimawandel, insbesondere im heissen Süden, zunehmend die Bedingungen. Deshalb denkt Massimo Maggio weiter. «Wir wollen mehr Bäume pflanzen, vor allem Johannisbrotbäume», sagt er. «Sie sind bei uns ein wertvoller Verbündeter gegen den Klimawandel.» Ihre tiefen Wurzeln halten Feuchtigkeit im Boden, schützen vor Erosion und kühlen das Mikroklima. Das entspricht ganz der Delinat-Vision klimaresilienter Weinberge.

Die Vielfalt im Wein

All diese Vielfalt in den Weinbergen bleibt glücklicherweise für uns Weingeniesser nicht abstrakt, sondern zeigt sich im Wein. «Man spürt die Fülle an Natur in der aromatischen Komplexität und in der Balance der Weine», ist Massimo überzeugt. Seine Weine wie der beliebte Bonarossa wirken samtig, zugleich charakterstark, mit lebendiger Frucht und der richtigen Tiefe. Sie erzählen von Rebsorten und von Böden, aber auch von einem lebendigen Umfeld und einer langen Weintradition im Süden Italiens.

Die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Delinat hat ihn dabei in seinem Weg bestärkt, sagt der Winzer. «Delinat hat uns gezeigt, dass das, was wir aus Tradition getan haben, einen klaren Grund hat. Nämlich die Natur zu schützen.» Der wissenschaftliche Austausch half, das überlieferte Wissen zu präzisieren und gezielt weiterzuentwickeln – und dabei seinen Ursprung zu bewahren.

Auch in Zukunft will Massimo Maggio Traditionen bewahren und Bäume pflanzen, robuste Reben kultivieren und als Summe von allem Weine erzeugen, die Weingeniesser in seinen Orangenhain holen oder sogar in den Reben-Kräuter-Infinity-Pool. Denn hier am Weingut Massimo Maggio ist Mischkultur keine Strategie, sondern eine Lebensanschauung.

Neugierig geworden? Hier findest du alle Weine von Massimo Maggio.

Über die Autorin

Nina Wessely

Nina Wessely, Redaktorin

Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.

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