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Auf ein Glas mit ... Soil to soul-Gründer Thomas Sterchi

Es fängt im Boden an – das ist eine der Kernaussagen von Soil to Soul, gegründet von Thomas Sterchi. Im Gespräch erzählt uns der gebürtige Schweizer, wie Boden und menschlicher Darm zusammenhängen und wie sich ein Umdenken in der Landwirtschaft, der Ernährung und der Gesellschaft schlussendlich positiv für alle auswirkt.

Text

Nina Wessely
Redaktorin
23.10.2025

WeinLese: Thomas, was hat dich dazu bewogen, Soil to Soul ins Leben zu rufen?

Thomas: Die Initialzündung kam durch meinen besten Freund und seinen Wunsch, sein Leben in Berlin gegen ein Leben auf dem Land zu tauschen und in sinnstiftender Art Landwirtschaft zu betreiben. Wir haben mehrere Roadtrips unternommen, bis wir 2018 schliesslich den Platz im Alentejo für unser Projekt – Terramay – gefunden hatten.

Dadurch wurde mir Schritt für Schritt klar: Gesunde Böden sind die Basis für alles – Wasserhaushalt, Klima, Ernährung. Parallel dazu habe ich mich seit vielen Jahren mit der Franz-Xaver-Mayr-Kur beschäftigt, also mit gesunder Verdauung. Da lag die Analogie nahe: Ein gesundes Mikrobiom im Boden und ein gesundes Mikrobiom im Darm sind eng verbunden. Wenn beides stimmt, geht es auch den Menschen und der Umwelt besser.

Das ist der Kern unserer Mission: Menschen zusammenzubringen und zu zeigen, dass Boden- und Menschengesundheit Hand in Hand gehen.

Thomas Sterchi, Unternehmer und Inhaber der Bio-Farm www.terramay.com in Portugal, Geschäftführung Farm Anna und David, 24. Mai 2024

Klingt, als würdest du weniger aus der Wissenschaft als vielmehr aus Erfahrung und unternehmerischem Denken heraus handeln.

Genau. Ich habe keinen wissenschaftlichen Hintergrund. Seit über dreissig Jahren bin ich Unternehmer. Mit gesundem Menschenverstand und Neugier habe ich die Puzzleteile zusammengesetzt.

Inzwischen bestätigt auch die Forschung, wie eng Boden, Ernährung und Klima zusammenhängen – etwa im Buch «Gesundheit beginnt im Boden» von Stefan Schwarzer und Ute Scheub. Heute ist klar: Nur wenn wir die Böden wieder aufbauen, können wir CO₂ binden, Wasser speichern und gleichzeitig nahrhafte Lebensmittel erzeugen.

Erzähl doch bitte etwas mehr von eurem Projekt «Terramay» in Portugal.

Wir haben 2018 rund 560 Hektar Land übernommen. Eine grosse Herausforderung. Von Anfang an war klar: Wir setzen auf Diversität. Das bedeutet Agroforstsysteme, Permakultur, Weidehaltung – und kürzlich haben wir sogar einige Reben gesetzt.

Auf zehn Hektar haben wir 14 verschiedene Sorten gepflanzt, dazwischen Bäume, und Tiere sollen natürlich auch durch die Reben ziehen. Wir wollen ein natürliches Habitat schaffen, in dem sich Schädlinge und Nützlinge selbst regulieren. Wir wollen zeigen: Landwirtschaft kann im Einklang mit Natur, Klima und Mensch funktionieren. Beziehungsweise auf Dauer bestehen.

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Über Soil to soul

Soil to Soul agiert als Plattform und Übersetzer für den Zusammenhang von gutem, nährstoffreichem Boden mit dem Wohlbefinden der Menschen. Höhepunkt ist das Soil to Soul Symposium im Herbst in Zürich. Zu diesem laden Soil-to-Soul-Gründer Thomas Sterchi und sein Team namhafte Experten aus Landwirtschaft, Gastronomie, Wissenschaft sowie Aktivisten zum konstruktiven Austausch ein. Soil to Soul ist eines der wichtigsten Symposien dieser Art in Europa. www.sotoso.org

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Delinat setzt seit jeher auf Vielfalt im Weinberg, auf Hecken und Bäume zwischen den Rebzeilen und auf weitere Grundpfeiler der Permakultur. Fühlt ihr euch da verbunden?

Sehr. Wir teilen viele Überzeugungen. Vielfalt statt Monokultur ist ein Schlüssel für gesunden Boden. Wir brauchen Systeme, die stabil sind, weil sie Diversität zulassen. Wobei Soil to Soul stärker als Plattform und Übersetzer fungiert. Wie an unserem grossen Symposium diesen Herbst. Hier bringen wir Bauern, Köche, Aktivisten und Wissenschaftler zusammen. Anfangs waren wir in einer kleinen Bubble, doch Schritt für Schritt erreichen wir auch Menschen aus anderen Bereichen.

Welche Hürden begegnen dir in deiner Arbeit?

Da gibt es leider viele. Politische und ökonomische Strukturen sind oft gegenläu fig. Bauern stehen mit dem Rücken zur Wand, weil die Ernährungspolitik falsche Anreize setzt beziehungsweise der Industrie und nicht den Bauern in die Hände spielt. Die Profite landen nicht bei den Familien, die das Land bewirtschaften. Gleichzeitig gibt es eine Informationslücke: Viele Menschen wissen schlicht nicht, dass CO₂ nicht nur ein Emissionsthema ist, sondern auch eine Bodenfrage. Zu wenig im Boden, zu viel in der Luft – das ist ein Problem. Mit mehr Humus könnten wir viel CO₂ speichern und Wasser binden.

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Weintipp von Thomas Sterchi

Vale de Camelos Tinto, Alentejo – ein charaktervoller Rotwein aus Portugals Süden, der das Gespräch über gesunde Böden und gesunden Genuss perfekt begleitet. Vale de Camelos Vinho Regional Alentejano 2022 www.delinat.com/2862.22 [/box]

Wo siehst du Soil to Soul in den nächsten Jahren?

Wir wollen weiter Brücken schlagen. Unsere Symposien sollen noch mehr Menschen erreichen – nicht nur die ohnehin Überzeugten. Ausserdem wollen wir zeigen, dass regenerative Landwirtschaft ökonomisch tragfähig ist. Wenn wir es schaffen, dass gesunde Böden gesunde Lebensmittel hervorbringen und dabei auch noch Freude machen – beim Anbau wie beim Genuss –, dann haben wir viel erreicht. Beziehungsweise glaube ich, dass in Zukunft keine andere Form der Landwirtschaft mehr möglich ist. Wie viele Nährstoffe soll ein ausgelaugter Boden denn noch liefern? Beziehungsweise wissen wir nicht, ob nach jahrzehntelanger Ausbeutung überhaupt noch etwas darin wächst.

Und zum Schluss: Welchen Wein trinkst du am liebsten mit uns?

(lacht) Auch ich gebe zu – vor sieben Jahren habe auch ich mich noch an Parker- Punkten und grossen Namen orientiert. Bis ich verstanden habe, dass Wein aus einem gesunden Boden auch anders schmeckt. Mein Stiefvater hat mich diesbezüglich inspiriert. Er ist langjähriger Delinat- Kunde. Im Kopf und am Gaumen schmecken Weine aus reicher Natur einfach besser.

www.sotoso.org

Über die Autorin

Nina Wessely

Nina Wessely, Redaktorin

Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.

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