A Paso Panino
Im Turniertanz gibt es den Paso doble. Im Weingarten den Paso Panino. Soweit die Wortkreation, die Unbeschreibliches zu beschreiben sucht.
Text
Nina Wessely
Redaktorin 03.09.2026
Läufer sprechen vom «Runner‘s High», wenn sich nach einigen Kilometern Strecke eine Art Glückskästchen im Körper öffnet, das die Gliedmassen, das Gehirn und und das Herz mit Glück überströmt.
Dieses unglaubliche Gefühl und die Freude über die eigene Kraft, diesen Hügel, dieses Waldstück nur ausgestattet mit den eigenen zwei Beinen hinter sich gelassen zu haben.
Der Paso Panino fügt dem Glück des Gehens noch eine Ebene hinzu: nämlich mitunter ein Panino oder je nach Region auch einen Gruyère oder ein paar sonnengereifte Feigen. Paso Panino ist nämlich – einen Hügel, im besten Fall einen Weinhügel, zu erklimmen und oben dann bei offenem Glückskästchen den Picknickkorb (bzw. Rucksack) zu öffnen. (Das Schleppen eines Picknickkorbs und das Baumeln desselben am Hosenbein könnten dem Öffnen des Glückskästchens etwas im Wege stehen.)
Jedenfalls öffnen wir das, worin Gruyère, Panini und Vini schlummerten. Breiten es auf dem grünen Gras aus im Schatten der im Sommer bereits dicht bewachsenen Weinlaubwand. Die Flasche öffnen, prosten, kosten. Glas abstellen. Die Kappe etwas ins Gesicht ziehen und sich nach hinten fallen lassen. Augen schliessen.
Insekten hören und das Gras im Gesicht kitzeln lassen. Ist der Wein im Mund abgegangen – also der Abgang und die Aromen, die dieser mit sich bringt, Vergangenheit –, dann wahlweise: aufrichten, noch ein Schluck, noch eine Runde Gras im Nacken oder ein herzhafter Biss vom Panino, gefüllt mit Pecorino oder Gruyère oder Hummus mit Tomatenscheiben.
Der Paso Panino ist unendlich dehnbar, was die kulinarische Bandbreite betrifft. Ebenso hält es sich mit dem Wein. Was schmeckt, passt. Und nach so einer Wanderung – mancher wird es aus Erfahrung wissen – passt alles, was Erfrischung und Belohnung bringt. Das ist der kalte Wein in der Kehle, der Blick ins Land, der Sundowner im Weingarten.
Einer der am leichtesten erreichbaren Glücksmomente in unseren Breitengraden. Nur den ersten Schritt, den muss man machen. Und dann geht es weiter, piano, piano im Paso Panino.
Über die Autorin
Nina Wessely, Redaktorin
Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.