Alkoholfreie Weine bei Delinat: Zwischen Qualitätsanspruch und neuen Bedürfnissen
Viele Argumente sprechen für mehr alkoholfreie Alternativen in unserem Sortiment. Es ist ein Trend, der sich voraussichtlich nicht von heute auf morgen umkehrt. Hier ein paar Gründe, weshalb wir bei Delinat behutsam unser Sortiment in diese Richtung anpassen, und was unsere Richtlinien, Qualitätsansprüche und die Preisgestaltung damit zu tun haben.
Text
Olivier Geissbühler
Videoblogger 13.08.2026
Das Thema sorgt bei uns firmenintern und mit unseren Winzerinnen und Winzern immer wieder für heisse Diskussionen: Wie gut schmecken alkoholfreie Weine, was ist die schonendste Entalkoholisierungsmethode und welche Möglichkeiten für Proxys, also natürlich alkoholfreie Getränkevarianten, gibt es?
Am Ende lautet das Fazit jeweils ähnlich: Erstens, es muss (der Mehrheit) schmecken. Zweitens, es muss unserer naturnahen Philosophie und unseren Qualitätsansprüchen standhalten. Und drittens, nicht zu unterschätzen: Das Preis-Genuss-Verhältnis muss stimmen. Eines vorweg: Alkoholfreie Weine und Weinalternativen, welche alle diese Faktoren zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllen, sind gar nicht so einfach zu finden.
Der Geschmack steht im Zentrum
Was Wein als Getränk so einzigartig macht, ist beim alkoholfreien Wein die grösste Herausforderung: Die Vielschichtigkeit, die Komplexität, das Mundgefühl, die Balance zwischen Süsse, Säure und Tanninstruktur. Genau bei diesen Eigenschaften spielt der Alkohol im Wein nun mal eine zentrale Rolle, er ist Geschmacksträger. Wenn man ihn im Nachhinein entzieht, entsteht oft ein «Loch», es fehlt etwas, das alles zusammenhält und mit dem Alkoholentzug verliert der Wein immer auch andere Aromen.
Bei alkoholfreiem Schaumwein und alkoholfreiem Weisswein gelingt ein erfreuliches Geschmackserlebnis bereits deutlich öfter als bei alkoholfreiem Rotwein. Das haben auch unsere zahlreichen internen Verkostungen von alkoholfreien Varianten gezeigt. Man kann sie nicht direkt mit alkoholhaltigen Weinen vergleichen, aber sie überzeugen durchwegs und bieten Genuss.
Bei Rotweinen ist es schwieriger: Wenn man den Alkohol entzieht, bleibt durch die Säure und Tannine oft ein unangenehmes Mundgefühl zurück. Oft war unser Fazit: Also da trinken wir deutlich lieber ein Glas hochwertigen Traubensaft, als mit viel Geduld den Zucker mithilfe von Hefen vergären zu lassen, um anschliessend den entstandenen Alkohol mühsam wieder zu entfernen. Womit wir bei den verschiedenen Entalkoholisierungsmethoden wären.
Wie schonend sind Entalkoholisierungsmethoden?
Lange durfte alkoholfreier Wein nicht als Bio gekennzeichnet werden, weil die Entalkoholisierung als zu grosser Eingriff in den Herstellungsprozess galt. Erst Anfang 2025 gab es eine entscheidende Neuerung: Die EU-Verordnung wurde angepasst, sodass Bio-Winzer nun ebenfalls entalkoholisierten Wein mit Bio-Siegel anbieten duften.
Doch auch die Vakuumdestillation, bei der Alkohol unter reduziertem Druck bereits bei niedrigeren Temperaturen verdampft, ist ein Eingriff in das Endprodukt. Der Wein wird dabei unter Vakuum gesetzt, wodurch sich der Siedepunkt des Alkohols auf etwa 30°C reduziert. Der Alkohol verdampft bereits bei dieser niedrigen Temperatur, sodass die restlichen Aromen des Weins weitgehend erhalten bleiben. Viele unserer Winzer sehen das ebenfalls kritisch. Josep Maria Albet i Noya zum Beispiel sagt dazu: «Man macht aus dem Handwerksprodukt Wein ein Industrieprodukt, welches immer ähnlich schmeckt». Feine Nuancen wie Jahrgangsunterschiede, dezente Barrique-Aromen etc. sind dadurch nur noch schwer erkennbar.
Unsere drei (fast) alkoholfreien Vorreiter
Es bleibt also spannend bei der Entwicklung von neuen alkoholfreien Weinalternativen, welche alle unsere hohen Erwartungen erfüllen. Die drei ersten Produkte, welche unseren Kriterien bezüglich Geschmack, Herstellungsprozess und Preis-Genuss-Verhältnis in vollem Umfang erfüllen konnten, stammen allesamt von langjährigen Delinat-Partnerbetrieben und wurden mit viel Pioniergeist und Leidenschaft ausgetüftelt. Und eines ist sicher: In den nächsten Monaten werden noch weitere Produkte dazukommen. Hier schon mal unsere alkoholfreien Vorreiter:
1. Muscat Perlé, Château Coulon
Muscat Perlé ist ein Perlwein aus Südfrankreich, der zu 100% aus Muscat besteht, einen Restalkoholgehalt von unter 0,5% aufweist und deshalb als "alkoholfrei" deklariert werden kann. Die aromatische Muscat-Traubensorte bietet auch ohne Alkohol noch genügend Fülle und eignet sich daher bestens für ein erfrischendes Sommergetränk.
2. Raifir, Château Couronneau
Beim Raifir hat Grégoire Piat einen etwas anderen Weg gewählt: Er hat Traubensaft mit Kefirpilz vergoren, um ein neues spannendes Getränk zu schaffen. Entstanden ist eine erfrischende Weinalternative, welche durch die Vergärung mit Kefir 1% Alkohol aufweist und sich auch bestens als Essensbegleiter kombinieren lässt.
3. So, Hirschhof
Tobias Zimmer hat mit dem «So» eine alkoholfreie Secco-Alternative aus 100% Müller-Thurgau-Trauben geschaffen. Dem Traubensaft wurde etwas Kohlensäure hinzugefügt und es entsteht ein unkompliziertes, komplett alkoholfreies Sommergetränk, welches sich auch für Kinder eignet.
Über die Autorin
Olivier Geissbühler, Videoblogger
«Nature is always right» – das gilt auch in der Weinproduktion. Mit der Kamera kann ich bei zukunftsweisenden Projekten von der Rebenzüchtung bis zum Endprodukt hautnah mit dabei sein, wie aus reicher Natur köstliche Weine entstehen.