Blanc de Noirs - Weisswein aus roten Trauben
Wie entsteht eigentlich Weisswein aus roten Trauben? Unsere Önologin Martina Korak erklärt, wie das geht, und warum somit jeder dieser Weine ein kleines Kunststück der Weinbereitung ist.
Text
Martina Korak
Önologin 31.10.2025
Übersetzt heisst «Blanc de Noirs» Weiss aus Schwarz. Was sich so elegant anhört, beschreibt, dass man einen Weisswein aus roten Trauben hergestellt hat. Wie kann das sein? Das Geheimnis liegt in der Traube selbst. Bei fast allen roten Rebsorten ist das Fruchtfleisch hell. Die dunkle Farbe des Rotweins stammt fast ausschliesslich aus der Schale, denn dort sitzen die Farbstoffe (Anthocyane).
Damit ein Rotwein entsteht, werden die Trauben entrappt und bleiben für Tage oder sogar Wochen auf der Maische – also in Kontakt mit Schalen und Kernen. Bei der Gärung entstehen Alkohol und Wärme. Dadurch werden die Farbstoffe freigesetzt.
Beim Blanc de Noirs ist es anders: Hier werden die Trauben sofort sanft abgepresst. Dadurch gibt es kaum Kontakt mit den Schalen – und so behält der Saft seine helle, klare Farbe. Das Ergebnis ist ein Weisswein, der mehr Charakter und Körper als ein Wein aus weissen Trauben hat und doch viel leichter als ein Roter ist.
Das Schönste aus zwei Welten
Blanc-de-Noirs-Weine besitzen häufig mehr Fülle und Tiefe als klassische Weissweine. Sie wirken cremig, manchmal leicht würzig, und haben dabei doch die Frische, die man von einem Weisswein erwartet. Im Glas zeigt sich oft eine feine, goldene Tönung. manchmal haben sie auch einen ganz dezenten Rosastich, der die Herkunft der roten Traube noch erahnen lässt. In der Schweiz bezeichnet man Weissweine aus roten Trauben als Federweisser. Früher war die ähnlichste Bezeichnung dafür in Deutschland Weissherbst. Dies konnte aber auch ein reinsortiger Roséwein sein. Da es aber keine eindeutige Definition dafür gab, wird die Bezeichnung Weissherbst heute nicht mehr verwendet.
Besonders bekannt ist Blanc de Noirs bei Schaumweinen. In der Champagne etwa werden Pinot Noir und Pinot Meunier – beides rote Rebsorten – seit Jahrhunderten zu feinen, hellen Champagnern verarbeitet. Dort sorgt Blanc de Noirs für Kraft, Fülle und Reifepotenzial, während ein Blanc de Blancs (aus weissen Trauben wie Chardonnay) meist eher straff, frisch und zitrisch wirkt.
Die beiden Stilrichtungen ergänzen sich – und zeigen, wie vielseitig Schaumwein sein kann. Auch in Deutschland (vor allem mit Spätburgunder), in Südtirol und in der Schweiz findet man immer häufiger Schaumweine aus der Kategorie Blanc de Noirs. Es versteht sich von selbst, dass die Bezeichnungen Blanc de Noirs beziehungsweise Blanc de Blancs nur verwendet werden dürfen, wenn die Schaumweine ausschliesslich aus roten beziehungsweise weissen Sorten hergestellt wurden.
Verwendet der Winzer Pinot Noir und Meunier sowie Chardonnay, wie es in der Champagne üblich ist, gibt es keine spezielle Bezeichnung dafür. Allerdings ist Blanc de Noirs nicht in allen Regionen üblich. In klassischen Weisswein- Hochburgen wie dem Rheingau, der Loire oder dem Burgund liegt der Fokus traditionell auf weissen Sorten.
Blanc de Noirs wird meist dort erzeugt, wo rote Rebsorten dominieren, die sich auch hervorragend für Sekt oder Champagner eignen. So ist jeder Blanc de Noirs ein kleines Kunststück: ein Wein, der scheinbar Gegensätze vereint – Rot im Ursprung, Weiss im Glas. Er schenkt Fülle und Eleganz, Kraft und Frische und überrascht damit selbst erfahrene Weinfreunde immer wieder aufs Neue.
Über die Autorin
Martina Korak, Önologin
Wein lässt sich nicht aufzwingen, manchmal ist er beschwingt und fröhlich, manchmal zurückhaltend und anmutig, manchmal launisch, gar rebellisch. Diese Erkenntnis fasziniert mich immer wieder.