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Wo Reben und Kinder aufblühen: Clémence Fabre ist Biodiversitätswinzerin 2026

Seit 16 Generationen kultiviert Familie Fabre in den windgeprägten Hügeln der Corbières Wein. Seit Dekaden arbeitet die Familie mit Delinat zusammen. Kürzlich hat Vater Louis an seine Tochter Clémence und ihren Ehemann Louis-Jacques Ramin übergeben. Biodiversität und Wein daraus sind und bleiben dabei stets Familiensache und gelebte Gesinnung.

Text

Nina Wessely
Redaktorin
20.05.2026

Clémence Fabre inmitten der Reben
Clémence Fabre ist zwischen Reben aufgewachsen, zeichnet für das Weingut verantwortlich und sieht nun, wie auch ihre Kinder inmitten dieser Natur aufblühen.

Wenn der Wind vom Mittelmeer über die Hügel streicht und die Garrigue, diesen unvergleichlichen Duft von Thymian, Rosmarin und Wacholder, über die Hügel trägt, dann zeigt sich die Seele der Corbières. Die Landschaft am Fusse der Pyrenäen ist eine der Extreme: von brennender Sonne bis zu plötzlichen Überschwemmungen. «Hier macht die Natur keine Kompromisse», sagt Clémence Fabre, Delinat-Winzerin der Familie Fabre. «Und genau das prägt unseren Charakter ebenso wie unsere Weine.»

Seit Generationen ist die Familie hier verwurzelt. Clémence ist im nahegelegenen Carcassonne geboren. Gemeinsam mit ihrem Mann Louis-Jacques leitet sie heute das Gut, die drei Kinder wachsen zwischen Reben, Feldern und Bäumen auf. «Ich bin hier fest verwurzelt. Und ich freue mich sehr, dass mein Mann sich hier auch so wohlfühlt und unsere Kinder hier gedeihen und aufblühen. Wie die Reben eben», lächelt die Winzerin.

Biodiversität im Rechnungsbuch

Kommt die Sprache bei Clémence auf Biodiversität, kommt sie auch auf ein Rechnungsbuch aus dem Jahr 1795 zu sprechen. Denn es erzählt von einer Zeit, in der der Wein nur einen kleinen Teil der landwirtschaftlichen Tätigkeit ausmachte. Felder, Viehzucht und Obstbäume waren die wichtigere Einnahmequelle. Und so wurde diese historische Spur schliesslich zur Inspiration. Die Vielfalt kehrte auf das Weingut zurück.

André Fabre im Obstgarten
André Fabre ist der Obstflüsterer der Familie. Seine Getränke daraus sind eine ganz eigene «Message in a bottle».

Bei Familie Fabre war das schon lange der Fall, bevor es ihnen andere Winzer aus der Region gleichtaten. 1991 erfolgte die biologische Zertifizierung. Auch mit Delinat arbeitet die Familie seit Jahrzehnten zusammen. «Von Delinat kamen wichtige Impulse für die Biodiversität in unseren Gärten. Auch der Austausch mit den anderen Winzern ist uns sehr wichtig. Wir sind wie eine Familie, so eng», erzählt Clémence. Biodiversität ist für Familie Fabre eine Art zu wirtschaften. «Wir sind überzeugt, dass Vielfalt unseren Weinberg resilienter macht gegenüber den aktuellen Herausforderungen des Klimawandels.»

Konkret heisst das seit Jahren: Bäume und Hecken pflanzen, Rückzugsräume schaffen, Agroforstsysteme entwickeln, Lebensräume für Insekten, Vögel und Nützlinge fördern. «Biodiversität ist unser Arbeitsrahmen und tägliche Inspirationsquelle», sagt Clémence.

Von Obst und Wein 

Ein Drittel des Besitzes der Familie Fabre ist heute Ackerland. Luzerne, Weizen und Ackerbohnen wechseln sich ab. Rund um die Rebzeilen wachsen Mandel-, Pistazien- und Quittenbäume. «Mein Bruder André hat hier einen Obstgarten angelegt, aus dem er auch grossartige, auf Obst basierende Pet-Nat-Schaumweine gewinnt », so Clémence.

Hecken strukturieren die Parzellen, schaffen Rückzugsräume für Insekten und Vögel. Agroforst ist hier kein Schlagwort, sondern Alltag. «Bäume, Hecken und Reben leben in Symbiose », sagt Clémence. «Sie verbessern die Böden, begrenzen Erosion und schaffen ein lebendiges Gleichgewicht. Denn Monokultur stört das Gleichgewicht.»

Gerade im mediterranen Klima mit seinen langen Trockenphasen ist diese Vielfalt überlebenswichtig. Begrünte Böden speichern Wasser, Baumwurzeln lockern die Erde, Mikroklimata entstehen. «Die Agroforstsysteme schaffen echten Schutz: Schatten bei Hitze, Windbremsen, bessere Wasserinfiltration.» Dass Biodiversität wirkt, zeigt sich am Delinat-Weingut nicht nur im Boden, sondern auch im Zusammenspiel der Arten.

Fledermäuse reduzieren den Traubenwickler, Dachse fressen Schnecken. «Selbst ohne direkte Räuber-Beute-Beziehung begrenzt allein die Konkurrenz das Überhandnehmen einzelner Arten», beobachtet Clémence. Wo Vielfalt herrscht, entsteht Balance. Das erlebt man auf den Naturflächen der Familie Fabre jeden Tag.

Besonders eindrücklich erlebte die Familie diese Balance nach den grossen Überschwemmungen entlang des Flusses Orbieu. Statt ihn weiter einzuengen, haben sie Überflutungszonen geschaffen. Als 2026 erneut Hochwasser kam, blieb der Weinberg verschont. «Der Fluss konnte sich ausbreiten, ohne Schaden für die Reben», berichtet Clémence. Heute sind Fluss und Umland lebendiger denn je. Familie Fabre ist überzeugt: Je vielfältiger das Umfeld der Pflanze, desto regelmässiger ihre Ernährung, desto besser das Gleichgewicht im Saft – und schliesslich im Wein.Für Clémence steht fest: «Wir erhalten von der Rebe das zurück, was wir ihr ermöglichen.»

Wir leihen die Erde von unseren Kindern 

Biodiversität in den Rebbergen der Familie Fabre
Seit Jahrzehnten bemüht sich Familie Fabre um Biodiversität in und um ihre Reben. Das sieht, hört und schmeckt man.

Der Delinat-Preis «Biodiversitätswinzer 2026» ist für die Familie Anerkennung für jahrzehntelanges Engagement und Ansporn zugleich: Ein mediterranes Weingut kann Modell für Regeneration und Innovation sein. «Dieser Preis ist eine enorme Ermutigung, weiterzugehen und uns ständig neu zu erfinden.»

Dabei geht es für Clémence Fabre um weit mehr als um ökologische Massnahmen: Es geht um Verantwortung, die sozial, ethisch und langfristig gedacht sein will. «Wir leihen die Erde von unseren Kindern», zitiert Clémence Antoine de Saint-Exupéry. Auch die 17. Generation soll hier am Weingut glücklich im Einklang mit der Natur leben und wirtschaften können. Resiliente Weinberge, innovative Cuvées, lebendiger Önotourismus und ein Gut, das als funktionierendes Ökosystem weitergegeben wird – das sind die Ziele der Biodiversitätswinzerin 2026.

Vielleicht wird man in zehn Jahren sagen: Familie Fabre ist ihren Wurzeln stets treu geblieben und zugleich Pionierin geworden. «Wir möchten als Familie wahrgenommen werden, die mit Respekt kultiviert, die Biodiversität wachsen liess und Weine schafft, die von ihrem Terroir erzählen», fasst Clémence zusammen. In den Corbières, wo die Natur keine Kompromisse macht, ist genau das die grösste Auszeichnung.

Der Biodiversitätswein 2026

Mit diesem Wein, dem Coulon Biodiversité setzt Familie Fabre der Biodiversität ein Denkmal. Samtig, fruchtig und mit der feinen Würze der Corbières. Abgefüllt in der Delinat-Mehrwegflasche.

Über die Autorin

Nina Wessely

Nina Wessely, Redaktorin

Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.

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