Auf ein Glas mit ... Henri Zimmer
Henri Zimmer, Winzersohn der Familie Zimmer vom Weingut Hirschhof, hat seine Bachelorarbeit über Vitiforst geschrieben. Und das ist kein Zufall. Beim Delinat-Winzerseminar in Bordeaux entdeckte er seine Leidenschaft für Agroforstwirtschaft im Weinbau. Wir haben mit ihm über seine Forschungsergebnisse gesprochen und darüber, wie er sie auf dem eigenen Weingut in Westhofen anwendet.
Text
Stefanie Zillner
Social Media Managerin 17.09.2026
Delinat: Du hast deine Bachelorarbeit über Vitiforst geschrieben. Wie bist du überhaupt auf dieses Thema gekommen?
Henri Zimmer: Delinat hat mich dazu gebracht! Als ich 2022 am Delinat-Winzerseminar in Bordeaux teilnehmen durfte, habe ich zum ersten Mal bewusst die Idee von Vitiforst kennengelernt. Seitdem interessiere ich mich für Agro- und Vitiforst und habe mich daher auch an einen Agroforstspezialisten der Uni Freiburg gewandt, als ich auf der Suche nach einem sinnvollen Thema für meine Bachelorarbeit war. Er hat mich schliesslich mit einem Kollegen, Jakob Hörl, bekannt gemacht, durch den ich dann bei meiner Bachelorarbeit betreut wurde. Jakob hat mir ein spannendes Vitiforst-Projekt vorgestellt, das ich dann mit untersuchen durfte.
Delinat: Was war die zentrale Frage deiner Arbeit?
Henri Zimmer: In dem von mir begleiteten Vitiforst-Projekt sind neben einigen Winzern und Winzerinnen auch andere Akteure wie das lokale Klimaschutzbündnis eingebunden. Ich habe versucht, herauszufinden, was die Motivation dieser Winzerinnen und Winzer war, sich dem Projekt anzuschliessen und Bäume in die Weinberge zu pflanzen.
Delinat: Was hat dich am meisten überrascht an deinen Ergebnissen?
Henri Zimmer: Ich hätte erwartet, dass vor allem ein möglicher ökonomischer Nutzen im Vordergrund steht, eventuell gepaart mit den zu erwartenden ökologischen Vorteilen. Im Endeffekt waren die Motivationen aber deutlich diverser. Obwohl Geld und Umwelt für die meisten eine Rolle spielten, war es auch die Art der Herangehensweise: ein gemeinschaftliches Projekt vieler Winzer und Winzerinnen mit externer Beratung durch Agroforstexperten und mit der organisatorischen Hilfe des Klimabündnisses. Gerade dadurch wurde den Weinbauern Arbeit abgenommen. Sie wurden gleichzeitig stetig daran erinnert, die nötigen Schritte weiterzugehen, und sie sahen als Vision eine Werbemassnahme für die gesamte Region und das Gerüst für weitere Gemeinschaftsprojekte. Interessanterweise war die aktuelle Weinkrise zudem nicht ein Hindernis, sondern gab manchen Winzern geradezu einen Motivationsschub, um Neues auszuprobieren.
Delinat: Du hast herausgefunden, dass Winzer vor allem konkrete Anstösse von aussen brauchen, um anzufangen. Was fehlt da deiner Meinung nach noch in der Branche?
Henri Zimmer: Ich glaube, da ist die aktuelle Krise, in der jeder Betrieb auch marketingtechnisch aus innovativen Projekten Nutzen ziehen kann, eigentlich eine Chance. Zusätzlich war das Ergebnis meiner Arbeit, dass das Gemeinschaftsprojekt vor allem vom Einsatz des Klimabündnisses profitiert hat. Dessen ehrenamtliche Mitglieder fungierten wie Managerinnen, die an lästige Planungsarbeiten erinnerten, aber auch rechtliche Hürden klärten. Weil man in der Winzerausbildung aber nicht lernt, wie man seine Weinberge mit Hecken und Bäumen aufbessert, und weil viele Winzer sich verständlicherweise lieber mit ihrem Handwerk beschäftigen als mit Bürokratie und noch mehr Planungsaufwand, sind die Hürden für Vitiforst hoch. Geld und Zeit im Betriebsablauf muss man zusätzlich erst einmal bereitstellen können.
Delinat: Was hast du für euer Weingut mitgenommen?
Henri Zimmer: Alles aufschreiben und Pläne erstellen, an die wir uns dann halten müssen. Lieber klein anfangen, dafür dann aber Erfolge erzielen. Es muss nicht ein perfektes System entstehen – wichtig ist, anzufangen und dranzubleiben. Und offen sein für neue Ideen, auch wenn sie zuerst unrealistisch erscheinen.
Delinat: Was sagst du Winzern, die Vitiforst zwar interessant finden, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen?
Henri Zimmer: Die sind zum Glück nicht allein. Neben Beratungsfirmen wie Triebwerk gibt es ja zum Beispiel Delinat! Ihr agiert auch als Motivator und bringt eure Winzerinnen dazu, sich stetig zu verbessern. Mittlerweile beschäftigen sich auch die Dienstleistungszentren Ländlicher Raum und viele Forscher mit dem Thema. Ich glaube, Tipps für den Start zu bekommen, ist nicht allzu schwer. Man muss sich klarmachen, welches Ziel man verfolgt und dass Vitiforst ein Marathonlauf ist.
Delinat: Wie siehst du euren Weinberg in zehn Jahren, wenn es um Bäume geht?
Henri Zimmer: Ich hoffe, dass wir dann reichlich Aprikosen und Granatäpfel geniessen können. Möglicherweise sehe ich dann noch viele weitere Weinberge mit Bäumen in der Umgebung. Es würde mich ausserdem freuen, wenn sich unsere Idee eines lebendigen Ökosystems entlang der Baumreihe bewahrheitet und Tiere, Menschen und Reben von den Bäumen mehr profitieren als von klassischen Weinbergen.
Weintipp von Henri Weingut Hirschhof Mandelblüten Rosé Qualitätswein Rheinhessen 2025Der Mandelblüten-Rosé. Zum einen ist er gerade jetzt im Sommer der perfekte Terrassenwein für laue Abende. Und ich mag diese Fruchtigkeit und Geschmeidigkeit im Wein sehr. Zum anderen liebe ich alles, was aus Mandeln hergestellt wird. Besonders von Marzipan kann ich nicht die Finger lassen. Der Wein erinnert mich ständig daran. Das passt doch genau.
Über die Autorin
Stefanie Zillner, Social Media Managerin
Lässt man der Natur ihren Lauf, entwickeln sich gesunde Ökosysteme. Unsere Winzer sorgen für die optimale Bedingungen rundherum. Bei Delinat bringt jeder seine Stärken und Ideen ein – und erhält Orientierung und Ressourcen, um Gutes zu schaffen. Deshalb arbeite ich gerne hier.